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Welches Fahrzeug für meinen Hund und mich ?

Es gibt für (fast) jeden Hund, jedes Gelände und jeden Menschen das passende Fahrzeug. Grundsätzlich unterscheiden sich diese in der Art der Anspannung (Stangen- oder Seilanspannung), der Anzahl der Räder und der Möglichkeit den Hund zu unterstützen. Letztendlich bleibt es aber immer Geschmackssache, mit welchem Fahrzeug sich Hund und Mensch am wohlsten fühlen und nicht nur deshalb empfiehlt es sich vor der (ggf. teuren) Anschaffung eines Zugfahrzeuges dieses sorgfältig auf Handhabung und Sicherheit zu testen.

In Seilanspannung wird der Hund am hinteren Ende des Zuggeschirrs mittels einer Zugleine am Fahrzeug befestigt. Um zu starke Einwirkungen beim Bremsen oder Anziehen zu vermeiden muss immer ein Ruckdämpfer verwendet werden - entweder schon in die Zugleine integriert oder als zusätzliches Zwischenstück. Damit sich die Zugleine nicht im Vorderrad des Fahrzeugs verfängt, sollte man eine sogenannte Bikeantenne oder Seilantenne verwenden. Die Seilanspannung ist vielen Hunden angenehmer weil sie frei vor dem Fahrzeug laufen können, allerdings setzt diese Anspannung auch einen guten Gehorsam voraus. Man kann den Hund vom Fahrzeug aus nicht lenken und ist auf die zuverlässige Ausführung von Richtungskommandos angewiesen. Auch Begegnungen mit Fußgängern, anderen Hunden und ähnliche Situation müssen ohne direkte Einwirkung des Menschen souverän gemeistert werden.

Die Zugstange bietet dem Hund durch die starre Anspannung nicht soviel Bewegungsspielraum, hat aber deutliche Vorteile bei der Lenkbarkeit und ist deswegen auch für nicht ganz perfekt erzogene Hunde eine gute Möglichkeit überschüssige Energie abzubauen ohne sich oder andere zu gefährden. Der Hund läuft in einer leichten Zugstange welche seitlich am Pulkageschirr befestigt wird und den Hund im sicheren Abstand zum Zugfahrzeug hält. Das Gewicht der Zugstange wird über zwei zusätzliche Schnallen am Geschirr aufgefangen und verhindert unangenehme Vibrationen im Schulterbereich. Für die Arbeit in der Zugstange sind eigentlich keine Richtungskommandos notwendig, aber man kann diese in der Stange sehr gut trainieren und sich Lenkmanöver durch akustische Signale erleichtern oder diese später für das Fahren in Seilanspannung verwenden.

Tretroller / Scooter

Für die Meisten ist der Tretroller höchstens ein fast vergessenes Relikt aus Kindertagen, aber auch der Roller ist erwachsen geworden. So genannte Großradroller sind heute auf dem gleichen technischen Stand wie gute Fahrräder und können – je nach Ausstattung – auch im Gelände durchaus mit einem Mountainbike mithalten. Die Kombination aus großem Vorderrad und kleinen Hinterrad macht den Roller außerdem extrem wendig. Durch den tiefen Rahmen des Rollers ist es im Gegensatz zum Fahrrad möglich ohne Behinderung abzusteigen und das mit ein bisschen Übung sogar noch während der (langsamen) Fahrt. Stürze lassen sich daher im Vergleich zum Fahrrad einfacher verhindern, was das Fahren sicherer macht.

Am Tretroller kann man je nach Kaliber 1-2 Hunde in Seilanspannung fahren. Mehr als 2 Hunde sind zwar grundsätzlich möglich, aber man sollte immer auf ein vernünftiges Verhältnis von Zugkraft zu Bremswirkung achten. Für kleine, leichte Hunde ist der Roller optimal, da der Mensch ohne große Anstrengung helfen und so nebenbei auch noch etwas für die eigene Fitness tun kann. Ein unmotorisierter Roller – egal ob für Erwachsene oder Kinder – gilt laut StVO § 24 als Spielzeug und darf daher nicht auf der Straße genutzt werden. Da dies aber auch bei der Anspannung im Seil nicht gestattet ist, stellt es keinen wirklichen Nachteil dar und letztendlich ist es sowieso viel angenehmer auf autofreien Wegen zu fahren, als auf der viel befahrenen Straße Kopf und Kragen zu riskieren.

Großradroller wiegen ca. 10-15 kg und können im ausreichend großen Auto oder z. B. mit einem handelsüblichen Fahrrad-Heckträger transportiert werden. Bei einigen Modellen kann man die Räder mit einem Schnellspanner leicht abnehmen und so den Roller noch platzsparender verstauen.

Fahrrad

Ein Fahrrad hat fast Jeder, aber auf die Idee sich darauf (absichtlich) von seinem Hund ziehen zu lassen kommen die Wenigsten. Statt dessen werden Halterungen gekauft, die den Hund mittels Federmechanismus kontrollieren sollen. Auf Dauer bringt die damit verbundene, teilweise extreme Schieflage dem Hund aber höchstens Rückenschmerzen und für den Menschen keinen wirklich befriedigenden Fahrspaß.

Beim sogenannten Bike-Jöring läuft der Hund in Seilanspannung gerade vor dem Fahrrad. Je nach Ausstattung des Fahrrads kann man sogar im schwerem Gelände fahren und dank der großen Bodenfreiheit auch holprige Strecken bewältigen, jedoch ist es durch den hohen Rahmen im Notfall nicht immer so einfach abzusteigen und ggf. endet eine Landung doch eher unsanft. Mittels Pedalantrieb ist man je nach Kondition sogar an extremen Steigungen in der Lage seinen Hund effektiv zu unterstützen und hat außerdem jederzeit die Möglichkeit das Fahrrad – wie ursprünglich vorgesehen – auch ohne Hund zu benutzen. Der Kosten-Nutzen-Faktor ist beim Fahrrad daher nicht zu überbieten und für viele ein günstiger Einstieg in den Hundefahrsport.

Fahrräder sind je nach Modell durch den Pedalantrieb ein paar Kilogramm schwerer und ein wenig wartungsintensiver als Tretroller, aber beim Transport gibt es keine nennenswerten Unterschiede.

Dog-Trike


Dreirädrige Trainingswagen sind in der Schlittenhundeszene schon lange in Gebrauch und durch ihr teilweise relativ geringes Eigengewicht von ca. 20-25 kg auch schon mit ein oder zwei Hunde fahrbar. Trikes sind durch die drei Räder gleichzeitig wendig und kippsicher. Der Fahrer steht auf zwei Trittbrettern, die mittig genug Raum lassen um den Hund bei Bedarf durch mit rollern aktiv unterstützen zu können ohne dabei absteigen zu müssen. So lassen sich Trikes auch in schwerem Gelände, mit zugschwachen, kleinen Hunden und sogar ohne Hund fahren.

Neben der hochwertigen Verarbeitung des gesamten Fahrzeugs sind starke, feststellbare Bremsen an den beiden hinteren Rädern des Trikes für die Verkehrssicherheit wichtig. Fährt man mit mehreren Hunden ist sogar eine dritte Bremse am Vorderrad empfehlenswert.

Dog-Trikes werden in der Regel in Seilanspannung gefahren, aber einzelne Modelle können alternativ auch mit einer Zugstange gefahren werden. Da diese Fahrzeuge meist nur einen verhältnismäßig kurzen Lenkhebel (Fahrradlenker) besitzen, kann es aber schwierig werden kräftige Hunde im Notfall von der geplanten Richtung zu überzeugen. Einen Hund kann man zwar gut händeln, aber zwei Hunde in der Zugstange sind nur bei weniger zugstarken oder sehr gut erzogenen Gespannen zu empfehlen.

Für den Transport mit dem Auto gibt es verschiedene Möglichkeiten im großen Kofferraum, auf dem Anhänger oder dem Fahrradgepäckträger, aber immer sollte auf verkehrssichere Verladung geachtet werden.

Sacco-Dog-Cart / Saccowagen

Das Sacco-Dog-Cart kommt aus Norwegen und wird dort von der Firma Uninor gefertigt. Der eigentliche Erfinder war vor seiner Querschnittslähmung im Pulkasport aktiv und wollte trotz der Behinderung weiterhin mit seinen Hunden arbeiten. Das Ergebnis war ein vierrädriger, brems- und lenkbarer Hundewagen mit einem Sitz- und einem Stehplatz. Im Sacco-Dog-Cart werden ein bis zwei Hunde in Pulka- bzw. Zugstangen fest eingespannt, wodurch der Wagen über den Lenkbügel auch in brenzligen Situationen sicher lenkbar bleibt. Standardmäßig wird der Wagen über einen einfach zu bedienenden Hebel von Bremsklötzen gebremst, die auf die Mäntel der Räder drücken und je nach Dosierung die hinteren Reifen sehr effektiv blockieren. Man kann nachträglich Felgenbremsen (wie bei Fahrrädern üblich) anbauen, aber die Bremswirkung ist nicht unbedingt besser als die der Standardbremsen und daher meist nur sinnvoll wenn man die Bremse noch feiner dosieren möchte. Durch die Einzelradaufhängung vorne und die in 3 Stufen einstellbare Federung der Hinterachse ist das Sacco-Dog-Cart ebenso bequem wie geländegängig.

Beim Sacco-Dog-Cart hat man keine Möglichkeit den Hund während der Fahrt zu unterstützen ohne abzusteigen oder auf dem Standing-Rack zu stehen. Das Standing-Rack ist allerdings keine sonderlich bequeme Position um den Wagen langfristig zu lenken. Dieser Hundewagen ist deshalb eher für große, zugkräftige und/oder mehrere Hunde im flachen Gelände geeignet. Hunde ab ca. 30 kg Körpergewicht und 60 cm Schulterhöhe können ihn aber durchaus auch alleine ziehen - kleinere Hunde haben es als Zweiergespann leichter.

Leider ist das Sacco-Dog-Cart mit einem Gewicht von ca. 30 kg, einer Länge von ca. 1,62 m, einer Breite von ca. 94 cm und einer Höhe von 76 cm (bei umgeklappter Rückenlehne) recht sperrig, was den Transport nicht immer ganz einfach gestaltet. Es gibt verschiedene Varianten, aber bisher hat sich ein kleiner PKW-Anhänger bei uns noch am besten bewährt. Beim Transport im ausreichend großen PKW wird man Dreck im Auto nie verhindern können und zu mindestens von einer einzelnen Person lässt sich das Sacco-Dog-Cart oft nur sehr widerwillig auf einen Dachgepäckträger verladen.

Bollerwagen

Wenn Hund und Mensch es gerne etwas gemütlicher angehen möchten und ein Transportmittel für z. B. den Einkauf suchen, ist der Bollerwagen genau richtig. Meistens handelt es sich hier um ungebremste Eigenbauten, daher ist eine Anspannung in der Zugstange Voraussetzung für sicheres Fahren. Die Zugstange verhindert, dass der Wagen dem Hund bergab in die Hinterbeine fährt und ist gleichzeitig Lenker und Bremse für den daneben herlaufenden Menschen. Grundsätzlich sollte der Hund durch eine Leine gesichert werden, denn ein durchgehendes Hundegespann stellt immer eine große Gefahr für sich und Andere dar!

Normalerweise spannt man vor einen Bollerwagen nur einen Hund, aber vor allem aus historischen Quellen sind auch Mehrhunde-Gespanne bekannt. Mehr als einen Hund am Bollerwagen (d. h. nur durch Menschenkraft gebremst und gelenkt !) zu führen ist sehr anspruchsvoll und von einer einzelnen Person selbst mit absolut gehorsamen Hunden nicht einfach zu bewerkstelligen. Die Unfallgefahr sollte man keinesfalls unterschätzen. Ein Hund alleine ist dagegen relativ einfach zu händeln und gerade für frisch eingefahrene Hunde ist die direkte Nähe zum Menschen (der sich bei anderen Fahrzeugen immer hinter dem Hund befindet) eine gute Möglichkeit letzte Unsicherheiten abzubauen.

Sicherheit

Je nach Fahrzeug und Hund besteht immer die Gefahr zu Stürzen, daher ist es sinnvoll sich und vor allem mitfahrende Kinder ausreichend zu schützen. Ein gut sitzender Fahrradhelm kann schon das schlimmste verhindern, Protektoren an Armen und Beinen bieten noch mehr Schutz vor z. B. Prellungen und Schürfwunden. Um unterwegs im Notfall - und sei es nur ein platter Reifen - Hilfe holen zu können, sollte man immer ein Handy dabei haben.

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